BestenListen 2005

PRO-REGIO-ONLINE BESTENLISTE

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BESTENLISTE

- Die wichtigsten Bücher
zum Thema Ländlicher Raum -

 

Unsere BESTENLISTEN 2005

 

Die BESTENLISTE - Nr. I/2005

(Frühjahr 2005)

 

Platz 1

Christine Hannemann: Marginalisierte Städte - Probleme, Differenzierungen und Chancen ostdeutscher Kleinstädte im Schrumpfungsprozess. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2004 (ISBN 3-8305-0849-2).

Das hier vorliegende Buch ist zwar primär ein Buch über die Marginalisierung und Schrumpfung ostdeutscher Kleinstädte, aber es ist zugleich auch ein Buch über die Kleinstädte aus stadtsoziologischer Sicht. Und darin besitzt es einen Sonderstatus, denn es ist die seit den 1980er Jahren erste Grundlagenstudie zur Kleinstadt, die diesen Titel verdient, weil sie sich wirklich auf das Thema Kleinstadt fokusiert und damit das allseits beklagte Dilemma einer fehlenden Theoriesprache für das Forschungsthema Kleinstadt nicht nur angeht, sondern auch teilweise auch überwindet. Das Buch wird damit zum Vorreiter einer wiederaufgenommenen Kleinstadtforschung, was konkret heißt: Die führende Kleinstadtforschung in Deutschland findet heute in den neuen Bundesländern statt, kommt aus dem Osten. Nicht die Binnenmodernisierung der Kleinstädte-West, sondern der Schrumpfungsprozess der Kleinstädte-Ost, wurde zum Wiedereinstieg in eine brachliegende bundesdeutsche Kleinstadtbetrachtung.

Das Buch steht zwar unter dem Bann dieser Marginalisierungsgeschichte, die sich thematisch wie ein roter Faden durch die Gesamtstudie hindurchzieht und die Kleinstadtentwicklung somit quasi unter negativem Vorzeichen als Schrumpfung diskutiert, aber es versucht auch, die Theoriefragmente einer vernachlässigten Kleinstadtdiskussion wieder aufzunehmen: Was macht die Kleinstadt zur Kleinstadt ? Was unterscheidet die Kleinstadtentwicklung-Ost von der Kleinstadtentwicklung-West ? Wie könnten Kleinstadt heute in ihrer Spezifik als "kleine Städte" konkret definiert werden ? Wie geht die Stadtforschung damit um, daß die Kleinstädte nach wie vor eine bedeutende Siedlungsform darstellen und sich trotz aller Zentralisierungstendenzen als eigener Stadttyp als äußert resistent erwiesen haben ?

In zwei fundierten Einleitungskapiteln zur Kleinstadt als Forschungsgegenstand und zur Thematisierung der "kleinen Stadt" in der Stadtsoziologie, wird die Kleinstadt ideengeschichtlich eingeordnet und diskutiert. Leider hat die zu starr an die stadtsoziologische Wissenschaftsdisziplin gebundene Betrachtungsweise dazu geführt, viele relevanten Kleinstadtstudien z.B. aus der sozialgeographischen, kulturwissenschaftlichen und politologischen Sicht nicht wahrzunehmen, dafür allerdings die für die deutsche Kleinstadtrealität kaum kompatible Kleinstadt-Debatte aus den USA aufzunehmen.

Ein guter geschichtlicher Überblick über die Kleinstadtentwicklung vom "blühenden" Mittelalter bis zum ersten "Niedergang" in der Industrialisierungsphase beschreibt den spezifischen Entwicklungsgang der deutscher Kleinstadtlandschaft. Eine Diskussion der wechselnden "Ideologisierungen der Kleinstadt" und zur "Besonderheit der deutschen Kleinstadtromantik" versucht die umhergeisternden Bilder zur Kleinstadt geschichtlich einzusortieren, auch wenn dies nicht immer epochengerecht gelingt, sondern "überspringende" Kleinstadtidealisierungen quasi aus ihrer Epoche springen. Allein diese materialreich-gestalteten, in einer gut nachvollziehbaren Sprache präsentierten, Eingangskapitel sind das Beste, was seit Jahren zur Kleinstadt-Thematik publiziert wurde und gehören daher zur absoluten Grundsatzlektüre bei der Beschäftigung mit dem Thema Kleinstadt.

Die umfangreiche Analyse der niedergehenden Kleinstädte-Ost setzt von ihrem breit angelegten Untersuchungsdesign her ebenfalls neue Maßstäbe und hat einen breiten Datenschatz geborgen. Die daraus abgeleitete Zusammenfassung und theoretische Diskussion bleibt allerdings einige Fragen schuldig. Was sind die "sozial-kulturellen Potenziale" die die Lebensfähigkeit der Kleinstädte nachhaltig sichern können ? Wie sehen die konkreten "sozialen Überlebens-Milieus" in der heutigen Kleinstadt-Ost aus ? Sind die als positiv beschriebenen Bindungskräfte an die Kleinstadt nicht bereits Resignationserscheinungen und Mobilitätsblockaden ? Führen die alten restaurativen Überlebenskulturen nicht dazu, neue Nischen für überlebensnotwendige Subkulturen (wie sie als wichtiger "kultureller Sauerteig" seit den 1960er Jahren in den Kleinstädten-West entstanden sind) zu verhindern ? Wird die soziologie-übliche, aus dem Amerikanischen übernommene Diskussion zur Bedeutung des "Sozialen Kapitals" für die Absicherung der sozialen Qualität, der Realität in den ostdeutschen Kleinstädten wirklich gerecht, oder braucht es zur Darstellung der deutschen Kleinstadtwirklichkeit nicht andere Begrifflichkeiten ?

Hier hört das Buch leider an zwei äußerst spannenden Stellen auf, die weiteren Forschungsbedarf signalisieren. Erstens: Welche zukunftsweisenden Ressourcen birgt der Kleinstadtalltag-Ost wirklich in sich und welche Handlungsperspektiven eröffnet er für mögliche Akteure ? Und zweitens (die alle westdeutschen Kleinstadtforscher brennend interessierende Frage): Wie sieht es denn in der Kleinstadtwirklichkeit-West aus und was unterscheidet diese von der hier untersuchten Ost-Realität ?

Diese Fragen weisen über das vorliegende Buch hinaus, schmälern dessen Pionierleistung aber in keiner Weise, denn ohne dessen wichtige Vorarbeit wären diese Fragen selbst nicht möglich gewesen. Diese Buch ist ein echter Meilenstein in der neuen Kleinstadt-Forschung und daher zu Recht unsere Nummer Eins der BestenListe.

 

Platz 2

Stephan Beetz / Kai Brauer / Claudia Neu (Hrsg.): Handwörterbuch zur ländlichen Gesellschaft in Deutschland. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005 (ISBN 3-8100-3749-4).

Ein überblickgebendes, aktuelles Nachschlagwerk zur ländlichen Gesellschaft in Deutschland war längst überfällig. Nun liegt es - nach zweijähriger Verlagsvorankündigung - nun endlich vor. In dreißig Stichworten, die die Form von kleinen Handbuchartikeln haben, werden die wichtigsten Themen der heutigen Agrarsoziologie, der ländlichen Kulturwissenschaft und auch der Geographie des ländlichen Raumes abgehandelt. Den Schwerpunkt bilden Beiträge aus der Disziplin der modernisierten Agrarsoziologie, deren "junge" Riege als Konzept- und Herausgeber dieses Nachschlagewerk redaktionell gestaltet hat.

Erfreulich ist, daß auch neue Themen, wie z.B. die "ländlichen Kleinstädte", die Debatte um die "Zwischenstadt" oder das immer drängendere Problem des "Altern auf dem Lande", Eingang in dieses Buch gefunden haben. Leider fehlen auch wichtige ländliche Diskussionsfelder aus den 1990er Jahren, wie z.B. die Kultur(arbeit) auf dem Lande, Sozialarbeit auf dem Lande, Erwachsenenbildung auf dem Lande, die Agenda-21-Prozesse im ländlichen Raum, das Kapitel Eigenständige und Nachhaltige Regionalentwicklung, oder die neuen Zukunftsfragen zur demographischen Entwicklung ländlicher Regionen, wie die Schrumpfung ländlicher Regionen und die neue Armut auf dem Lande. Wenn das Handbuch eine breitere Leserschicht außerhalb der klassischen Agrarsoziologie erreichen soll, würden diese Themen in einer erweiterten Neuauflage unbedient hineingehören.

Leider sind nicht alle Beiträge auf gleich-gutem Niveau, sondern bei manchen scheinen die Autor(inn)en mit ihrem Thema etwas überfordert und andere in diesen Themenfeldern langjährig profilierte Landexperten hätten das entsprechende Thema wohl fundierter anhandeln können. Bei einigen Beiträgen fragt sich der Leser auch, ob dieses Thema wirklich in ein solches Kompendium hineingehören sollte, obwohl der "Ländliche Raum" eher nebenbei abgehandelt wird. Vielleicht lernt der Herausgeberkreis daraus und bezieht bei einer Neuauflage noch weitere Autoren mit ein. Daß auch in der Darstellung des Ländlichen Raumes zwischen den einzelnen Artikeln große Definitionsunterschiede bestehen, z.B. wenn wiedereinmal zum einen die unsägliche raumplanerische Litanei der vier konzentrischen ländlichen Räume rezitiert wird, zum anderen ein sehr komplexes Bild des ländlichen Raum in der Epoche der Zwischenstadt nachgezeichnet wird, wirkt auf Erstnutzer eher verwirrend. Was soll ein Praktiker oder ein Student im Anfangssemester denn davon halten: Welche Begriff vom Ländlichen Raum gilt nun ? Auch hier wäre mehr redaktionelle Klarheit notwendig, um den Erstlesern wirklich eine Hilfe sein zu können.

Trotz aller berechtigten Kritik dieses Neuanfangs, der fachlichen Diskussion um die ländliche Gesellschaft in Deutschland ein Stichwort-Lexikon zu geben, haben es die engagierten Herausgeber beschafft, mit dieser Veröffentlichung zum ersten Mal die doch sehr fachbereichsinterne Diskussion breiter öffentlich zu machen und damit neue Anhänger für das Thema zu gewinnen. Dafür gebührt ihnen der Dank der ganzen "Landszene" verbunden mit der Hoffnung, daß dieses Buch zu einem wichtigen Kristallisationspunkt einer neuen zukunftsweisenden Beschäftigung und Präsentation der Landforschung in Deutschland werden möge. Deshalb gehört dieses Buch in unsere BestenListe auf einen hervorragenden Platz.

 

Platz 3

Dieter Wieland: Gassenlicht. Eine Kindheit in Schwäbisch Hall (1938-1952). Baier BPB Verlag, Crailsheim 2003 (ISBN 3-929233-34-7).

Der Roman „Gassenlicht“ umfasst die NS- und direkte Nachkriegszeit einer Kleinstadt mit einer derartig dichten Beschreibung, wie sie bisher nicht zu lesen war. Und dies aus einer proletarisch-kleinbürgerlichen, aber äußerst sinnlich bildhaften Sichtweise, die selten sich so ausgeprägt manifestiert. Insofern ist „Gassenlicht“ das kaum erwartbare, unverhoffte Gegenstück zum Roman „Die Nebelkinder“ von Oliver Storz geworden, der Schwäbisch Hall in derselben Zeitperiode ebenfalls aus der Kinder- bzw. Jugendperspektive, wenn auch hier unter der bürgerlichen, beschreibt. Die ehemalige Reichsstadt Hall bewahrt und bestätigt ihren eigenständigen Status des Besonderen, zeigt, welcher kultureller Reichtum, welche literarische Vielfalt auch in einer Klein- bzw. Mittelstadt ans Licht treten kann.

Belichtet werden in diesem stark autobiographischen Roman die Seitengassen, das alltägliche, oft sonderbare Leben in den verwinkelten Gassen einer Kleinstadt, die vernachlässigten Kleinstadtquartiere der kleinen Leute, die proletarischen Milieus, längst vergangene, nicht mehr vorhandene Quartierslebenswelten. Wieland, später selbst Theater- und Dekorationsmaler geworden, dessen kommunistisch geprägter Vater dem Maler- und Tapeziererberuf nachging, malt detailreich, sprachgewaltig, dabei die eigene Verwandtschaft nicht schonend, eine oft harte Kindheit, die Konfrontationen in und mit der eigenen Verwandtschaft. Hier treffen bzw. prallen kommunistische Ansichten mit pietistisch geprägten Auffassungen zusammen, aus denen Wielands kindliches alter ego Manfred sein Staunen, seine Verwunderung über die Welt, in die er gekommen ist, bezieht. Seine Fragen über den Tag hinaus werden selten gestillt, nicht von der Mutter, die ihn kaum an das Elternhaus fesseln kann. Angebunden wird Manfred und seine Schwester tatsächlich oft von der Mutter, wenn diese, da der Ehemann von der Wehrmacht eingezogen bzw. später in Russland vermisst wird, quasi allein erziehend wegen Einkäufen, teilweise auch wegen Kinobesuchen, die Kinder in der Wohnung ohne Aufsicht zurücklässt. Früh entwickelt sich Manfred deshalb zum Straßenkind, das das Gassenlicht sucht, die Schwäbisch Haller Ecken, Winkel, Hinterhöfe und Plätze erkundet, die nähere Umgebung und Natur durchstreift. Und immer droht der Teppichklopfer, der „Badscher“, als fast alltägliches Züchtigungsinstrument, eingesetzt durch die meistens hilflos überforderte Mutter, die kindliche Entdeckungsfreude einzuschränken.

Manfred ist der kindliche, jugendliche, hällische Ulysses, der uns in oft freien Assoziationen, in direkter Umgangssprache, in verschiedenen Erzählebenen, den verwirrenden Alltag einer Kleinstadt miterleben lässt. Realismus macht sich breit, das tatsächliche Leben wird nachvollziehbar: Manfred riecht den auf dem Herd garenden Kohl, den scharfen Geruch der Mitternachtsvase – Boddschambr auf hällisch -  im großelternlichen Schlafzimmer, den Geruch des Bohnerwachses. Manfred sieht das Hobeln des Krautes im Nachbarhof, den Einsatz der Mostpresse. Manfred erlebt bei seinem Opa das Einlegen dessen Glasauges in Bier, das Piesacken der Großmütter, indem die kommunistisch gefärbte Oma den Pietismus der anderen Oma verhöhnt. Das vielfältig wuselnde Leben, die oft irrlichternde Lebenswelt in Schwäbisch Hall werden mit einer unglaublichen Dichte, enormen Wucht und schillernden Sprachfarbe festgehalten.

Das Schwäbisch Hall bis 1945 ist auch eine kleine Stadt, in der die SA-Kolonnen marschieren, die alteingesessenen Juden längst aus der Stadt in Lager gezwungen und ihre Geschäfte von NS-Gefolgsleuten übernommen wurden, der Reichsarbeitsdienst Kriegsdienst leistet, Arbeitssklaven im nahe gelegenen Fliegerhorst Bombentrichter wieder auffüllen müssen. Die bereits eingeschliffene braune Alltagsokkupation zeigt sich fast übermächtig: im Hort geht eine kerndeutsche „Kindertante“ den Jungs beim Wasserlassen „umständlich“ zur Hand, es setzt permanent Maulschellen wegen undiszipliniert ausgeführten deutschen Heilsgrüssen, die HJ trommelt und singt ihre schrill zackigen Sturmlieder, die Lesehefte in der Schule sind militarisiert und erzählen von den großdeutschen Neueroberungen, viele Lehrer sind brutalisiert, Mitschüler oft fanatisch, der erste Blick des Blockwartes gilt immer der eingestellten Radioskala, was bei Manfreds Mutter als Meisterin des Schwarzhörens besondere Vorsichtsmaßnahmen erfordert. Die  pietistische Großmutter muß beim Kreisleiter wegen unerlaubter Verköstigung „fremdrassiger“ Zwangsarbeiter erscheinen und kommt mit einer Ermahnung davon, der Blockwart tobt wegen ihrer mangelnden Verdunkelung. Manfred hört im Volksempfänger den Führer sprechen. Auf seine Frage, warum der Führer so schreit erhält er die Antwort, dass Gottes Wege unerforschlich sind, aber warum er unbedingt einen Hitler brauche, um uns zu prüfen? Der kommunistisch geprägte Großelternteil hat sich politisch stillhaltend eingerichtet und verbringt die Zeit neben Kartenspielen mit lautstarkem Streiten untereinander, meist wegen des fehlenden Geldes. Der Großvater, dem Trinken ausgiebig zugeneigt, muß seine nächtlichen Räusche in einem Verschlag unter der Treppe hinter sich bringen.

Der Krieg rückt Schwäbisch Hall bald ziemlich nahe. Der Fliegerhorst ist das Ziel oftmaliger Bomberangriffe, die Bahnhofsanlagen und auch einige Stadtviertel werden bombardiert. In den Kellern der alten Fachwerkhäuser werden Durchbrüche als Fluchtmöglichkeit geschaffen, die mit hochgestellten, unvermörtelten und damit leicht wegdrückbaren Ziegelsteinen wieder verschlossen werden, die Dachböden sind von allem Brennbaren entrümpelt und mit einer Kalkbrühe versehen, der Volkssturm bezieht Position zum Schutz der Stadt bei eventuellen Aufständen der Arbeitssklaven. Manfreds Mutter macht Bekanntschaft mit einem Piloten aus dem Fliegerhorst, später verkehrt sie mit amerikanischen GI’s. Die Großmutter entdeckt anhand von Kondomen die sexuellen Bedürfnisse ihrer Schwiegertochter und gerät in heftigem Streit mit ihr. Auch Manfreds Sexualität erwacht immer mehr. Duke Ellington und Charlie Parker werden zu musikalischen Einflüssen. Die gelebte Distanz zum NS-Regime macht den kommunistisch geprägten Großvater zum Vorsitzenden der Entnazifizierungs-Spruchkammer, die pietistische Großmutter stellt den Geschäftsleuten und Beamten Persilscheine aus. Der Schulunterricht nach 1945 ist in seiner Brutalität fast die Fortsetzung des Unterrichtes bis 1945, es setzt Prügel, schlechte Schüler werden von Lehrern vor der Klasse lächerlich gemacht. Manfred ist ein stetiges Opfer und froh der Schule entrinnen und eine Ausbildung bei der sich in Schwäbisch Hall ansiedelnden Bausparkasse beginnen zu können.

Gassenlicht ist mit seinem ausgeprägten Sprachschatz, einer fast überlaufenden Formulierungskunst ein wahres Meisterwerk in der Darstellung des Kleinstadtlebens und entdeckenswert über seinen fränkisch-hällischen Herkunftsort hinaus und damit zurecht eine besondere Empfehlung in dieser BestenListe.

 

Platz 4

Jaromír Balcar. Politik auf dem Land. Studien zur bayerischen Provinz 1945 bis 1972. R. Oldenbourg Verlag, München 2004 (ISBN 3-486-56598-2).

Die erste Verwunderung, die dieses Buch beim Leser auslöst, ist die Frage: Warum hört die Betrachtung der "Bayerischen Politik auf dem Land" gerade im Jahre 1972 auf ? Dieses Datum erschließt sich bei der Lektüre des Buches, denn sein Untersuchungsgegenstand ist der Wechsel, der mit der Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre eintritt und der seinen langen Vorlauf in der personalen Zusammensetzung der politischen Akteure auf dem Land seit 1945 und in der "neuen" Landpolitik der 1960er Jahre, hatte.

Das Gros der anfangs durch die Besatzungsmächte eingesetzten, später durch eine extrem hohe Wiederwahlquote bestätigten, neuen politischen Eliten nach 1945, rekrutierte sich aus dörflichen Honoratioren, die meist Bauern, Dorfhandwerker, Kaufleute oder Gastwirte waren und von der Alterstruktur her ihre politische Sozialisation noch im Kaiserreich, im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik erfahren hatten, also "Männer in den besten Jahren" darstellten. Dieser "Selbstständigenklüngel" machte in den kleinen Landgemeinden Politik im Kirchturmshorizont und war in den 1960er Jahren nicht nur mit den Aufgaben einer neuen "Infrastruktur-Politik" der Förderanträge mental und als Ehrenämtler auch arbeitszeitlich überfordert, sondern trieben ihre viel zu klein-strukturierten Gemeinden angesichts der neuen Aufgabenlasten (Kanalisation, Wasserversorgung, Straßenbau, Wohnraumerschließung, Schulneubauten etc.) immer mehr aus Sparsamkeit in einen Entwicklungsrückstand oder aus Überforderung in die Verschuldung.

Die generationelle Erfahrung und der enge dörfliche Radius dieser Männer bildeten einen massiven Hemmschuh für die weitere notwendige Erschließung des ländlichen Raumes nach städtischen Infrastrukturansprüchen. Die ländliche Eliteselektion nach Ansehen der Familie und Besitz, paßte nicht mehr in die "Zeit der großen Pläne" der 1960er Jahre. Für das neue Zeitalter der forcierten Infrastrukturpolitik kamen die alten Landbürgermeister als politische Träger somit nicht mehr in Frage. Die noch in den 1950er Jahren in Bayern völlig am Boden liegende Infrastrukturerschließung des Landes und die sich nur inselhaft entwickelnde Strukturansiedlung kleiner Industrie- und Dienstleistungszentren, wurde anfangs durch eine "Entwicklungshilfe" von Seiten der Landratsämter für die überforderten kleinen Landgemeinden zu kompensieren versucht, erreichte aber in den 1960er eine solche Dimension, daß nun damit auch die Kreise überfordert waren. Eine neue Zwischenstruktur mußte her: Eine starke dezentrale Gemeindeverwaltung. Die Notwendigkeit zur Gebietsreform drängte sich daher auch strukturell auf: Ohne die Gebietsreform würden die kleinen Gemeinden von der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung übergangen, in der Verschuldungsfalle enden, oder immer mehr an ihrer Handlungsautonomie verlieren.

Aber nicht nur von dieser Seite her zeichnete sich ein Wechsel in der Landpolitik ab: Auch auf den Dörfern hatte sich die Zusammensetzung der Bevölkerung gewandelt und die Arbeiter-Pendler, Angestellten und die Anfänge eines ländlichen Mittelstandes zugenommen. Die Stern der alten Dorfeliten war am Sinken. In der Politik wurde die reine Persönlichkeitswahl immer mehr durch Parteilisten oder Listenverbindungen, die konkrete Interessensgruppen vertraten, ersetzt. Der lokale Patriarch, der als Universalist alle Bürger mit vertreten wollte, war ein Auslaufmodell. Und auch in der Verwaltung waren die neuen "Fachleute" (Juristen, Architekten, Verwaltungsangestellte) im Vormarsch und die instinktiven "Bauch-Politiker" der kleinen Honoratiorenzirkel und Hinterzimmer-Sitzungen nicht mehr gefragt.

Die Gemeindereform mit ihrer "Maßstabsvergrößerung" löste diese Strukturproblem auf und machte aus ehemals selbständigen Bürgermeistern Gemeinderäte oder auch mancherorts Mitarbeiter der neuen Zentralverwaltung und damit den Weg frei zur infrastrukturellen Nachrüstung der Gemeinden. Die Bremser des Fortschritts saßen aber noch Jahre in den Gemeindeparlamenten und gaben diesen einen deutlich "ländlicheren Akzent" und sie blockierten durch ihre Wiederwahl auf den nun raren Listenplätze die Neuwahl jüngerer Bewerber aus den Dörfern. Sie sorgten damit nicht nur für eine massiv-erlebte Bürgerferne, sondern auch für einen gewaltigen Innovationsstau, der sich in den 1970er Jahren dann in Form von Bürgerinitiativen, Arbeitsgemeinschaften, Vereinsaktivitäten und in kontroversen Dorfentwicklungs-Beteiligungen Luft machte.

Diese anhand von elf ehemaligen Landkreisen in Bayern entwickelte Politikstudie, die neben diesen Politiksträngen auch noch die politische Entwicklungen der bayerischen CSU und SPD auf dem Lande nachzeichnet, macht deutlich, daß es zur Entwicklung der Großgemeinden in den 1970er Jahre keine Alternative gab, um den "langen Abschied vom Agrarland", heraus aus der "althonorigen Ordnungszelle Bayern" hin zum "modernen ländlichen Raum" zu vollziehen.

Das Buch ist als eine wichtige, materialreiche und sprachlich-fundierte Regionalstudie zu diesem Thema sehr zu empfehlen und daher in der Spitzengruppe unserer BestenListe.

 

Platz 5

Hans Bednar / Kim Meyer-Cech. Südheide. Das namenlose Wunderland vor den Toren Wiens. Verein für Geschichte und Sozialkunde -  Mandelbaum Verlag, Wien 2003 (ISBN 3-85476-809-0).

Der Markt für aufwendig-gestaltete Bildbände boomt. Schöne Bilder sollen die inneren Bilder bestätigen und die eigenen Projektionen "rahmen". Auch dieser Bildband bietet viele schöne Bilder von bunt-blühenden Landschaften, von in das Abendlicht getauchten Sonnenuntergängen und von prächtigen Stillleben in alt-ländlichen Nischen. Aber er produziert diese Bilder an einem Ort, wo diese keiner vermutet. Ihr Entstehungsort ist das "namenlose Wunderland vor den Toren Wiens", das die Autoren - mangels eigener Landschaftsbezeichnung - die "Südheide" getauft haben. Eine klassische Vorstadtregion wird zum Raum einer echten "Zwischenstadt-Reportage", einer Motivsuche im Zwischenland zwischen den industriell-urbanen Randbezirken Wiens und einer landwirtschaftlichen Intensivregion.

Während anderswo das Originelle, das Urwüchsige, das geschichtlich Authentische, gesucht wird, gilt hier das Interesse dem "Dazwischen", der sozialen Mischung, dem Überformten, dem Widersprüchlichen. Die einzelnen Kapitel dieser Echtzeit-Spurensuche haben befremdliche Überschriften: Steppe, Dschungel, Sonniger Süden; Wasserwelt; Das Post-Industrie-Viertel; Welches ist das wahre Gesicht ? Das begehrte Land. Schon in diesen Bezeichnungen steckt eine Wort-Provokation, die jeden Anschein von Idylle vertreibt: Hier geht es um das Wahrnehmen einer Realität, um das Begreifen einer Landschaft in der Jetzt-Zeit und im heutigen Raum: "Wo sind wir hier ?"

In einer Bildergeographie wird Schritt für Schritt in diese Raumschaft eingeführt, Landschaft "gelesen". Viele Fotos und auf diese bezogene Untertitel machen den Leser zu einem Geo-Touristen, der durch fachlich gestützte Texte immer tiefer in dieses Zwischenland vordringt, über seine Raumbeschaffenheit, Strukturen, Menschen, Traditionen und heutigen Bewohner viel erfährt, aber immer auf einer merkwürdig kritischen Distanz bleibt, denn: Kann man eine "Steppe" lieben, ein "Post-Industrieviertel" Heimat nennen, ein "Volk der Zuagrasten" als Nachbarn empfinden, "Halbierte Höfe" als Dorf erleben, die tägliche "Verkehrsfalle" als Mobilitätsoption feiern ?

Solche Widersprüche zieren diesen Bildband und lassen seine Goldrahmung nicht zu. Die Unbegrenzbarkeit stiftet einen emotionalen Chaos, denn sie erschwert die Verortung in einer Landschaft der direkt aufeinander prallenden Interessensgegensätze. Das Suburbia-Zwischenland trägt die ganzen Widersprüche von Stadt und Land, Metropole und Region, Beschleunigung und Entschleunigung, in sich. Und über diesen Reise-Bildband werden diese offen-sichtlich. Die wirkliche Lebensqualität liegt irgendwo dazwischen, dahinter oder darunter. In einer solchen Landschaft nach den Ressourcen einer möglichen Regionalentwicklung zu suchen, ist die eigentliche Aufgabe der Gegenwart, denn solche Regionen gibt es fast überall und überall immer mehr.

Aus diesem Grunde ist diese "Zwischenland-Reportage" ein Vorbote für eine längst notwendige Expedition ins heutige neue Reich des "Zwischen-Städtischen", in den neuen Lebensraum durchmischter Zwischenland-Realitäten. Ein Buch das somit neue Wege beschreitet und eine Vorlage für andere Regionen und andere Bilder-Suchen sein könnte. Aus diesem Grunde gehört es in unsere BestenListe, denn es zeigt, daß auch die harte Realität in schönen Bildern Utopien freisetzen kann, die über ein bloßen "Zwischen-Stadium" hinausreichen können und das Potential zu "Zwischenstadt-Visionen" in sich haben können.

 

Platz 6

Ulrike Schweikert. Das Kreidekreuz. Roman. Knauer Verlag, München 2004 (ISBN 3-426-66095-4).

Ulrike Schweikert ist die Autorin im süddeutschen Raum, die historische Ereignisse im ländlichen Raum dieser Region mit spannender Unterhaltung verknüpft. Ausgezeichnet recherchierte Historie, gerade auch der kleinen Leute, aufgenommene Gegengeschichte, bisher vernachlässigte Geschichte von Unten fließen in ihre bestsellerischen Unterhaltungsromane ein. So vermischen sich auf exzellente Weise geschichtliche Tatsachen und reale Personen mit von der Autorin gewählter und erzählter Fiktion, dass diese kaum noch von einander unterscheidbar sind, quasi ein Eigenleben beginnen. Suspense durchzieht das historizierende Werk Schweikerts, vortrefflich spürbar beispielsweise im Vorgängerroman „Die Tochter des Salzsieders“. Im Kreidekreuz gibt es ein gelungenes Wiedersehen mit Anne Katharina Vogelmann, der eigensinnigen, widerständigen, um Emanzipation bemühenden Salzsiedertochter, die inzwischen mit dem konservativen Haller Salzsieder und Ratsherrn Michel Seyboth in eine äußerst unglückliche Ehe verheiratet wurde. Die Zeiten sind unruhig, der größte Teil Süddeutschlands und darin auch die Stadt Hall und ihr umgebendes Territorium, die Landhege, sind im Frühjahr 1525 von den bäuerlich-bürgerlichen Umbrüchen und Aufständen erfasst, die protestantisch-reformatorischen Kräfte agieren längst in der Reichsstadt.

Die Autorin packt in ihrem über 600 Seiten umfassenden Roman fast alle wichtige Geschehnisse dieser kurzen Aufstandsepoche hinein, entwirft aus Darstellungsgründen eine recht umfangreiches und vielfältiges Tableau, um die Ursachen, Prozesse und Aktionen der Aufstandsbewegung entwickeln zu können. In den Familien Seyboth und Vogelmann prallen die gegensätzlichen Auffassungen und Standpunkte direkt aufeinander. Anne Katharina Seyboth nimmt immer mehr Partei für die Sache der Bauern, entdeckt in ihrem jüngeren Bruder Peter den Verfasser und Drucker zahlreicher Schriften, in denen die Haller Bevölkerung zur christlichen Aufstandsbewegung aufgerufen werden. Schweikert stellt in der Person der Anne Katherina die Entwicklung einer Ratsherrenehefrau zur Parteigängerin vielschichtig und in interessanten Entwicklungsstufen dar. Sie lässt sie im Verlauf des Romanes wichtige Personen des Aufstandes und der reformatorischen Bewegungen kennenlernen, lässt sie an verschiedenen Brennpunkten persönlich erscheinen und eingreifen. Mit Rugger, der Jugendliebe Anne Katherinas, einem ehemaligen Landsknecht, nun auf der Seite der Bauern, schafft Schweikert eine starke Persönlichkeit, über die wichtige Vorgänge des Bauernkrieges geliefert werden, da Rugger als Übermittler von Botschaften zwischen den Bauernhaufen in Franken und Schwaben ebenfalls an vielen Brennpunkten zu finden ist, wie z.B. die entscheidenden Schlachten von Böblingen und Königshofen. In deren packenden Darstellungen übertrifft die Autorin die teilweise jämmerlich verfälschenden Beschreibungen vieler Historiker und altväterlicher Lehrergenerationen, indem die Bewegungen, Handlungsmotive und Niederlagengründe der Bauernhaufen an diesem Tage nachvollziehbar werden.

In den Familien Vogelmann und Seyboth spiegeln sich querdurch die unterschiedlichen Einstellungen wider. Der uneheliche Sohn von Ulrich Vogelmann, dem älteren Bruder Anne Katherinas, nimmt am „Adel durch die Spieße jagen“ in Weinsberg teil und kann dies kaum innerlich verarbeiten, Bernhard Seyboth -  Sohn von Anne Katherina – zieht zu den fränkischen Bauern nach Würzburg, Peter Vogelmann druckt und verbreitet Flugblätter, wird in der Schlacht von Königshofen festgenommen und gegen Lösegeld freigelassen. Ulrich Vogelmann und Michel Seyboth repräsentieren die Macht in Hall, Seyboth erkennt das Verhältnis von Anne Katherinas mit Rugger und wird von diesem in einer Auseinandersetzung getötet, Mathilde Seybold, die Mutter Michel Seyboths, ist die starke Patriarchin, die immer wieder mit Anne Katherina in Konflikt gerät und dieser die eigenen Kinder zu entziehen versucht.

Auf mehreren Handlungsebenen hebt das Kreidekreuz – dem Erkennungsmerkmal der Aufständischen auf Kleidungsgegenständen – zum kulminierenden Bauernkrieg an. Bauern aus dem Territorium der Reichsstadt, damit dieser tributpflichtig und den Treueid schwörend, kommen in die Stadt, um die dortige Stimmung unter den Einwohnern zu erfahren, denn die städtischen Unterschichten sind prinzipiell Bündnispartner; in der Haller Hege bildet sich Zug um Zug ein (militärischer) Haufen, fast 4000 Mann stark; in Hall kursieren Flugblätter, nach deren Hersteller der Rat der Stadt fahnden lässt; auf Veranlassung des Rates leisten die Bürger und Bürgerinnen Mobilisierungsaktionen wie Ausbesserung der Stadtmauern, Füllen von Schießpulver, verstärkte Streifengänge. Mit Magister Brenz, der in Hall reformatorisch predigt, Pfarrer Herolt und Pater Hiltprand treten die unterschiedlichen theologischen und kirchlichen Standpunkte hervor. Immer mehr Nachrichten über die Aufstandsherde im süddeutschen Raum werden von den Einwohnern diskutiert, der im Haller Territorium gebildete Zug nimmt Richtung auf die Stadt. Eine Haller Bürgermiliz unter Führung der konservativen Ratsherren kann den Haufen überfallartig überraschen und zerstreuen, Rädelsführer der Bauern werden festgesetzt. Der bäuerliche Aufstand im Haller Territorium konnte damit gebrochen werden, während in den umgebenden Gebieten von Hohenlohe, Odenwald, Tauber, Neckartal die Bauernhaufen zunächst die militärische Oberhand gewinnen. Der Truchseß Georg von Waldenburg rückt nach dem Vertrag von Weingarten, militärischen Erfolgen in Leipheim und Böblingen aber immer näher an Franken heran und besiegt die fränkischen Bauern.

Ulrike Schweikert bündelt in ihrem großen Spannungsbogen viele dokumentierte Ereignisse des Bauernkrieges mit ihrem fiktionalen und realen Personal auf komplex dichte Weise. Zwar ist manchmal verwunderlich, wie schnell sich ihre Personen bewegen, schließlich liegt der damalige Aktionradius eines Tagesmarsches unter 40 km, bzw. Nachrichten aus anderen Regionen bekannt werden, aber diese Schnelligkeit ist eher ein notwendiger Kunstgriff der Autorin, um zeitnah auftretende Ereignisse und ihr zahlreiches bzw. Story tragendes Personal zusammenbringen zu können. Das Kreidekreuz ist der Bauernkriegsroman des süddeutschen Raumes!

Ein Roman, der mit seiner Spannung, Dramatik und historischer Einfühlungskraft, seinem Thema, in unserer BestenListe seinen Platz findet.

 

Platz 7

Wolfgang Schiffer. Bauern-Bilder. Fotografien aus 50 Jahren Landwirtschaft. Herausgegeben von Gisbert Strotdrees und Heinz-Günter Topüth. VerlagsUnionAgrar, Münster 2002 (ISBN 3-7843-3101-7).

Beim Thema "Bauern-Bilder" denkt jeder assoziativ an die schweren Bilder-Gemälde deutschen Bauerntums, an die landschaftsgegerbten Gesichter, an die großen, aufgerissenen Arbeitshände und an die trachtenschweren, stolzen Landbesitzer, die sich zum Sonntagsfoto in Pose gestellt haben. Alle diese Klischees treffen bei diesem Bildband nicht zu. Er beschreibt die landwirtschaftliche Alltags- und Arbeitwelt im Wandel von der Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre hinein. Der, durch seine, in vielen Agrarfachzeitschriften erschienenen Fotos, zum "Fotograf der Bauern" gekürte Agrarjournalist Wolfgang Schiffer (1927-1999), wurde mit seinen Bildern zum "Auge der Landwirtschaft". Seine Bauernbilder beginnen mit der Ende der "Roß-Zeit" und zugtierbespannten Erntemaschinen auf den Feldern in den 1950er Jahren. Die Neubausiedlungen, Hochspannungsleitungen und Kraftwerktürme im Hintergrund seiner Bilder läuten die "Kleintraktorenzeit" ein und zeigen stolze Bauern auf ihrem ersten Traktor. In den gekachelten Melkkammern der Höfe beginnt die neue Landwirtschaftzeit der Großställe, der Milchtankwagen, der Mastanlagen und Legebatterien. Er begleitet die Bauern bei Feldbegehungen, Auktionen und Bauernversammlungen, bildet sie zusammen mit ihren Bauernverbandsvorsitzenden und Landes- und Bundeslandwirtschaftsministern ab und läßt mit seiner Kamera tief in die Gesichter der oft ungläubigen Teilnehmer dieser Runden blicken.

Die durchgängig schwarz-weiß fotographierten Aufnahmen schaffen eine natürliche Distanz zu den Bildern, die wenig von inszeniertem Bauernstolz, aber viel von Zukunftsskepsis aufscheinen lassen. Eine echte Rarität - von der Abbildung und Fotoästhetik - her sind die Bilder, die die Anwendung der Agrartechnik der 1950er Jahre zeigen und in ihrer Darstellung noch einen Einklang von Mensch, Tier und angepaßter Technik vermitteln. Auf ihnen pflügt der Junge noch auf dem Feld, neben dem Pferdegespann seines Vaters und dem Traktor auf dem Nebenfeld, mit. Bei ihnen ist noch Zeit für die kleine Zwischenstärkung auf dem Pflug sitzend. Auf ihnen ist noch die Kollektivarbeit beim Kartoffeldämpfen und beim Getreidedrusch auf dem Feld sichtbar. Dies sind Bilder, wie sie heute nur noch gelegentlich im Herbst bei der Kartoffelernte der Kleinst-Nebenerwerb-Bauern im ländlichen Raum zu sehen sind, wenn die ganze Familie zur ihrer rituell gepflegten Kartoffelernte antreten muß.

Dieser Bildband ist ein Zeitdokument dieses Übergangs der Landwirtschaft hin zur Großraum- und Großflächentechnik, hin zur arbeitsteiligen Individualisierung in einer GbR-Familien-Landwirtschaft, hin zum Produktionsstandort Landschaft und als solcher Bilderzeuge eines wichtigen Bindeglied in der Landwirtschaftspolitik der Nachkriegszeit. Wer sich diese Erinnerung speichern will, sollte sich dieses Buch zulegen, das gerade durch seine vermeintliche Nüchternheit besticht und darüber seinen Platz in unserer BestenListe erobert hat.

 

Platz 8

Ernst Bruckmüller / Ernst Langthaler / Josef Redl (Hrsg.): Agrargeschichte schreiben. Traditionen und Innovationen im internationalen Vergleich. Jahrbuch für Geschichte des ländlichen Raumes 2004. StudienVerlag, Innsbruck 2004 (ISBN 3-7065-1928-3).

In einer Zeit des weitverbreiteten Zeitschriften-Sterbens markiert diese Neugründung einer "Agrarhistorischen Zeitschrift" einen Gegentrend: Sie versteht sich - in Ergänzung zu der redaktionell erneuerten deutschsprachigen "Zeitschrift für Agrargeschichte" - als ein europäisches Diskussionsforum und gleichzeitig als eine Reaktion auf den Aufschwung der agrarhistorischen Forschung in Österreich, deren Forschungsmittelpunkt, das "Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte des ländlichen Raumes", auch zum treibenden Motor dieses Jahrbuches wird. Das "Jahrbuch für Geschichte des ländlichen Raumes" soll in regelmäßigen Abständen (wie eine Zeitschrift) erscheinen und (wie eine Buchreihe) in den Rubriken: Aufsätze, Forum, Lektüren und Autorenverzeichnis, über den aktuellen europäischen Diskussionsstand zur agrarhistorischen Forschung berichten. In englisch-sprachigen "Abstracts" wird der wesentlich Inhalt der Beiträge kurz zusammengefaßt und somit die internationale Plattform der Zeitschrift hervorgehoben.

Das erste "Jahrbuch für die Geschichte des ländlichen Raumes 2004" umfaßt Beiträge aus der Agrargeschichtsforschung von Österreich, der Schweiz, aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien sowie dem Nordseeraum, wobei der Schwerpunkt der Beiträge aus dem Herausgeberland Österreich stammt. Die deutschen Artikel befaßen sich mit den Themen: "Von der Polithistorie zur Sozialgeschichte. Die Historiografie zur Agrarwirtschaft und ländlichen Gesellschaft in der SBZ/DDR" von Arnd Bauerkämper und mit "Brach liegende(n) Felder(n). Grundzüge der deutschen Agrargeschichtsschreibung" von Robert von Friedeburg.

Fachpolitischer Anspruch des Jahrbuches ist es, das vorhandene "Innovationsdefizit durch die Dominanz von agrarhistorischen Traditionen", wie z.B. der überholten "Bauerntumsforschung" zu überwinden und Schritt für Schritt zu einer "Historie der ländlichen Gesellschaft", zur auch "nicht-bäuerlichen Dorfgeschichte", zur "Differenzierung der ländlichen Klassengesellschaft", zur ständigen "Vergesellschaftung des Bauern" im den gesamt-gesellschaftlichen Wandel etc. zu kommen. Der Blickwinkel soll von der Gesellschaftsgeschichte aus auf die Bauernwelten erfolgen und auch in der Agrargeschichte soll mehr Dorfgeschichte vorkommen. Dieser Anspruch fand explizit in der Namensgebung eines "Jahrbuches zur Geschichte des ländlichen Raumes" seinen Niederschlag. Im aktuellen Jahrbuch 2004 wird dieses konzeptionelle Projekt einer neuen "Landgeschichtsforschung" in einer ersten Vordiskussion über die "Gerahmten Landbilder" der traditionellen Bauerntumforschung angegangen. Hilfreich ist, daß die für jeweils vorherrschende Diskussion wichtigen Publikationen in Form von Faksimile-Drucken mitdokumentiert werden und damit die Botschaften der Buchumschläge zu einem Teil der vorgestellten "Bildergalerie" werden.

Mit dem ersten Band ist diese Jahrbuchreihe hoffnungsvoll gestartet. Ob sie ihre Ziel erreichen und sich im Publikationsmarkt halten kann, werden die nächsten Jahre zeigen. Als ein mutiges, innovatives und vielversprechendes Projekt gehört dieses Veröffentlichung daher unbedingt in unsere aktuelle BestenListe.

 

Platz 9

Akademie Ländlicher Raum Baden-Württemberg und Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH. (Hrsg.): Das Dorf - Neue Geschichten aus Baden-Württemberg. Silberburg Verlag, Tübingen 2001 (ISBN 387407-392-0) und (Dieselben): Menschen auf dem Land - Neue Geschichten und Gedichte aus Baden-Württemberg. Silberburg Verlag, Tübingen 2004. (ISBN 387407-623-7).

Es ist nicht so, wie man im ersten Moment vermuten würde. In diesen beiden Sammelbänden wurden keine "Auftragsarbeiten" publiziert, sondern Beiträge, die aus zwei - von der Akademie Ländlicher Raum, Baden-Württemberg und der Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH - ausgeschriebenen Literaturwettbewerben zum Thema "Dorf" und zum Thema "Menschen auf dem Land", hervorgingen. Die jeweiligen drei Preisträger und eine weitere Auswahl der besten Texte wurde in diesen zwei Büchern zusammengefaßt und veröffentlicht.

Die Beiträge des "Dorf - Bändchens" erzählen in der Hauptsache vom Wandel auf den Dörfern, dem Verschwinden der Kinderscharen, der harten Alltagsarbeit, den Kindheitserlebnissen, der kargen Ernährung, den eingebrannten Bildern von Familienfeiern und Dorffesten. Die Beiträge des "Menschen auf dem Land - Bändchens" sind im Grunde eine Fortsetzung der Artikel des Vorläufer-Buches: Sie erzählen vom Alltag auf dem Bauernhof, dem Schicksal der Dorfarmen, einer Leiche in der Jauchegrube, den aussterbenden Dorforiginalen und dem Kunst-Kitsch ländlicher Wohnzimmerstuben.

Die Textbände werden durch Farbfotos mit Land- und Landschaftsmotiven aufgelockert und in einer Anlage kommentiert. Durch die Aufnahme von nur wenigen Mundart-Beiträgen bleiben die Texte allgemein-verständlich lesbar. Leider fehlt im "Dorf-Band" ein Autorenregister, das die jeweiligen Verfasser vorstellt. Im zweiten Band wurde ein solches abgedruckt und es verrät dem Leser, daß die Autoren fast durchgängig "Profis" sind und beruflich meist als Schriftsteller, Journalisten oder Lehrer tätig sind.

Die Idee, thematische Texte zum Dorf und Landleben durch einen Literaturwettbewerb zu sammeln und in solchen schön gestalteten Bändchen gebündelt herauszugeben, ist an sich schon lobenswert. Wenn dabei auch noch ein vergleichsweise gutes literarisches Niveau herauskommt, ist dies sogar einen Platz in unserer BestenListe wert.

 

Platz 10

Peter Cornelius Mayer-Tasch (Hrsg.): Die Küche im Dorf lassen. Ein sinnenfrohes Ökolog(-inn)enkochbuch. Triga Verlag, Gelnhausen 2002 (ISBN 3-89774-239-X).

Wer den politisch-engagierten Ökologen Peter Cornelius Mayer-Tasch kennt, der weiß, daß auch dieses Thema wieder mit ökologischem Volldampf gefahren wird. Eines der letzten private Reservate, die heimische Küche, wird durch diese Publikation in den öffentlichen Raum der Politik gesetzt. Die lange als Paradigmen alten Denkens verspotteten "drei K" (Küche, Kinder, Kirche) verlieren damit "ein K" an das neue progressive Programm der Öko-Politisierung, dessen Kernfrage lautet: Was heißt es konkret oder im übertragenen Sinn, wenn die "Küche im Dorf" bleibt - oder eben nicht "im Dorf" bleibt ?

Seine Antworten: Die "Küche im Dorf" zu lassen, bedeutet sich zurückzubesinnen auf die traditionelle Einheit von Agrar-, Koch- und Esskultur, verbunden mit der Weisheit der dörflichen Landwirtschaft und räumlich gekoppelt an eine regionale und jahreszeitliche Erzeugung. Dies ist die Wunschseite. Die Realität sieht leider vielerorts anders aus: Die moderne Landwirtschaft zwingt vielfach im Dorf schon dazu, das Küchenfester geschlossen zu halten, um nicht die Agrarchemie mitessen zu müssen. Tagsüber verwaiste Dorf-Küchen warten auf die Auspendler, die erst am Abend zu ihrer warmen Malzeit im Familienkreis zusammen kommen. Die Vorratskammern auf dem Land sind voll mit "Haltbarkeits-Lebensmitteln", weil in der Regel nur einmal die Woche eingekauft wird, da der Lebensmittel-Laden vor Ort längst dicht gemacht ist. Kein Wunder, wenn die räumliche Beziehung zur Lebensmittelproduktion gerade auf dem Lande abhanden gekommen ist, da die notwendigen Lebensmittel vielleicht noch im Blickfeld des heimischen Kirchturmfensters erzeugt werden, aber vor Ort kaum mehr käuflich zu erwerben sind. Somit kommen der "Land-Kunde" und der "Land-Wirt" oft nicht mehr im Dorf vor Ort zusammen und das lokale Bündnis zwischen "geschmeckter Landschaft" und "gestalteter Landschaft" kommt nicht zustande. Die kurzen Wege vom Acker und Garten in die Küche, der eigen-kontrollierte Anbau vor Ort, der gesellschaftliche Beitrag zur Ernährungsautarkie und Versorgungssicherheit des Landes, klappt vor allem im ländlichen Raum immer weniger. Während die Städte inzwischen mit ihren Bioläden und Bio-Food-Supermärkten sehr gut versorgt sind, sorgen sich immer mehr Landbewohner um ihre nicht auto-abhängige Nahversorgung. Zwar boomt die "regionale Küche" in der gehobenen Gastronomie, werden die Sterne-Köche zu Kapitänen dieser neuen Esskultur, aber die breite Landhaus-Gastronomie globalisiert immer mehr zum Gemischtwarenladen zwischen "Döner-Laden" und "Wok-Imbiss".

Aber glücklicherweise hat das Buch noch einen zweiten Teil, der versöhnt, hat man den politischen Weg zur "Lokalen Dorfküche" ohne Magenreizung (was bei den dabei teilweise angesprochenen unappetitlichen Themen von Massentierhaltung, Lebensmittelskandalen und Agro-Chemie-Cocktails nicht auszuschließen ist) überstanden. Dann winkt der Anwendungsbereich mit einem Blick in die Kochtöpfe der führenden Öko-Intellektuellen in Deutschland, die mit ihrem persönlichen Kochtipp zum direkten Nachkochen aufwarten. Ohne ablenkende Farbfotos, sondern dezent bebildert, werden hier kurze Essgeschichten zu den schlichten Rezept gereicht. Ein umfangreiches Register zur Biographie der "Köche" gibt Auskunft zu ihrer Person und ihrem Bezug zum Aktionsort "Dorf"-Küche.

Das Originelle dieses Buches ist, daß es das aktuell gesellschaftlich boomende Verlangen nach Vor-Köchen und Kochrezepten mit einer politischen Botschaft verbindet, aber dabei dennoch einen konkreten Gebrauchswert, in Form anwendbarer Rezepte mitliefert. Diese Besonderheit hat das Buch für einen Platz in unserer BestenListe gekürt, auch wenn die Köche in der Überzahl aus der Küche des "globalen Dorfes" stammen und kaum einer aus einer "konkreten Dorf-Küche", wodurch der direkte Landbezug eher "im übertragenen Sinn" hergestellt ist.

 

 

 

 

 

 

Die BESTENLISTE - Nr. II/2005

(Herbst 2005)

 

Platz 1

Gerhard Henkel (Hrsg.): Dörfliche Lebensstile. Mythos, Chance oder Hemmschuh der ländlichen Entwicklung ? - Vorträge und Ergebnisse des 14. Dorfsymposiums in Bleiwäsche vom 16. - 18. Mai 2003. Essener Geographische Arbeiten Band 36. Essen 2004. (ISBN 3-9808567-2-0)

(Direktbezug: Selbstverlag - Institut für Geographie Universität Duisburg-Essen, Fachbereich Biologie und Geographie, Universitätsstraße 15, D-45117 Essen).

Der sozio-kulturelle Wandel der Dörfer von den 1950er Jahren bis heute wird zwar allerorts - vor allem aus Reihen der Heimat- und Denkmalschützer - als das lange Ende der Dorfkultur beklagt, eine produktive Auseinandersetzung mit dem Neuem im Dorf dagegen kaum geführt. Dem hier vorliegenden Tagungsband gebührt die Anerkennung, nicht nur die Veränderungslinien des Dorfwandels nachzuzeichnen, sondern auch zu skizzieren, was der Wandel für die heutige Dorfkultur positiv bedeutet: Eine Vielfalt an Lebensstilen gegenüber der Einfalt eines dörflich-ländlichen Alltags, wie ihn das Dorfleben immer wieder zu reproduzieren versucht. Das plurale und regionale Dorf ist flächendeckend Realität, auch wenn damit das kollektive Wesen vom Dorf als einer spezifischen Lebensform nicht aufgehoben ist oder wird. Daran ändert auch die Tatsache nicht, daß der Grad der Binnenmodernisierung, die Anteile der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und die im Dorf sichtbaren Lebensstil-Male von Dorf zu Dorf verschieden sind. Selbst die zu erwartende demographische Entwicklung wird an diesem Grundtrend nicht viel ändern. Im Gegenteil: Viele Dörfer werden durch Zuzüge noch bunter werden. Bei allen alltäglichen Reibereien und Konkurrenzen, die diese sozio-kulturellen Erweiterungen und Häutungen des alten Dorfes unter den einzelnen Bevölkerungsfraktionen mit sich bringen, wird dieser Trend auch von den Dorfbewohnern gewollt, denn er macht die soziale Dynamik und Lebendigkeit des Dorfes aus, er entwickelt Neues vor Ort und macht den Erlebnisraum Dorf vielschichtiger. Auch in den jeweiligen Persönlichkeiten schlägt sich dieses positiv nieder: Für heutige Dörfer ist ein Rollenwechsel zwischen und ein Leben in verschiedenen Lebensstilen möglich, der noch vor 20 Jahren in dieser Form undenkbar war.

Aus verschiedenen fachwissenschaftlichen Blickwinkeln (Dorfgeschichte, Dorfkultur, Kirche im ländlichen Raum, Jugendforschung, Lebensstil-Forschung, Dorfpolitik und der Soziologie) wird diese längst überfällige Debatte um die "Differenzierung des Ländlichen" und die damit verbundenen "sozio-kulturellen Bereicherung" des ländlichen Raumes geführt. Sie findet in diesem Tagungsband eine gelungene Zusammenfassung, die eine Ausgangsbasis für eine weitere Beschäftigung mit diesem sehr aktuellen Thema "ländlicher Vervielfältigung" bieten könnte. Für diese Leistung gebührt ihm zurecht der erste Platz in unserer BestenListe.

 

Platz 2

Rocko Schamomi: Dorfpunks. Roman. rororo 24116. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2004. (ISBN 3-49924-116-I)

Eigentlich stimmt der ganze Titel bei diesem Buch nicht: Es geht weder um "Punks" auf dem Dorf noch ist das Buch ein "Roman". Der in der großstädtischen Punkscene berühmt gewordene Autor beschreibt seine Dorf- und Kleinstadt-Vergangenheit und erklärt in dieser autobiographischen Anekdoten-Erzählung nicht nur Stationen seines widersprüchlich erlebten Provinzdaseins, sondern macht auch deutlich, warum er aus dieser Welt unbedingt "raus" mußte. Das Buch ist voll von Geschichten, in denen für Roddy Dangerblood (so der wirkliche Name des Autors) auf dem Land der "Punk" abging, aber hin und wieder auch der volle "Blues" der latenten Versäumnisangst, des alleinigen Zurückbleibens beim Weggang aller Freunde, der Erstarrung in lähmender Bewegungslosigkeit. Gerade die lockere Schreibe, geprägt von der Lockerheit der Distanz zum Landleben und der flockigen Scene-Sprache verleiht diesem Buch jenes Prickeln eigener Gänsehauterfahrungen und sprachlich-überspielter Angstzustände und zwingt immer wieder zum zustimmenden inneren Grinsen, aber auch zum befreienden Ablachen, erinnern doch einzelne Szenen immer wieder an eigene Lebenserinnerungen der Kindheit und Jugendzeit auf dem Lande. Wer sich nochmals lustvoll auf die Zeitreise der 1980er Jahre durch die (nord)deutschen Provinz machen will, findet darin die "Musik" und das "Zeitfeeling" jener Jahre und kann bei allen aufgewühlten Emotionen herrlich entspannen und sogar genießen. Eine Lese-Muß und Lese-Genuß für alle Punker und Nicht-Punker aus der Provinz der 1980er Jahre und daher in unserer BestenListe so weit vorne.

 

Platz 3

Werner Bätzing: Bildatlas Alpen. Eine Kulturlandschaft im Portrait. Primus Verlag, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2005. (ISBN 3-89678-527-3)

Seit Jahrzehnten ist der Autor als Kenner, Forscher und Publizist der Alpenlandschaft bekannt und trotzdem ist diese Publikation etwas besonderes, denn sie stellt den Verfasser auch als exzellenten Themenfotographen vor. Der Einbau von vielen mit fachwissenschaftlichem Blickwinkel und "Objektiv" erstellten Fotos gibt dem Buch einen "zweiten" Blick, potenziert das Gesagte durch Abbildungen und gibt dem ganzen Buch durch seine Gesamtheit eine ganz persönliche Note. Nicht nur Text und Bilder werden zu einem Gesamtkunstwerk, auch das Buch wirkt dadurch überzeugender. Der editorische Trick, die Bilder mit längeren Untertexten zu versehen, ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie es möglich ist, damit quasi noch eine "dritte" Wahrnehmungsebene einzubeziehen, die mehr ist als eine Brücke zwischen Bildern und Text, nämlich ein eigenständiger Textteil. Diese drei Dimensionen machen das Buch - bei aller wissenschaftlichen Beschreibung - zu einem im besten Sinne des Wortes "populär-wissenschaftlichen Werk", das Zusammenhänge mehrschichtig erklärt, ohne den Leser zum ungebildeten Laien zu degradieren oder öko-politisch an-zu-agitieren. Es weckt die Neugierde zum Selbstentdecken im Lesen und hilft dabei über das Lesen "Landschaft zu lesen". Dieser von der Landschaftsplanung oft inflationär und häufig auch unsinnigerweise verwendete Halbsatz stimmt im Zusammenhang mit diesem Buch auf ein Mal. Diese Sinnigkeit war für uns Anlaß dieses - im alt-philologischen Sinne - "schöne" Buch in unsere BestenListe aufzunehmen und wärmstens zu empfehlen.

 

Platz 4

Jana Binder: Is' ja net jeder, der vom Kaff kommt gleich e'n Bauer - Jugendkulturelle Praxen in ländlichen Regionen. Reihe: Volkskunde, Band 10, LiT-Verlag, Münster, Hamburg, London, 2001. (ISBN 3-8258-5508-2)

Während herkömmliche Landjugend-Studien immer wieder unter der Leitfrage: "Abhauen oder Bleiben ?" stehen und sich schwerpunktmäßig mit der Bleibebereitschaft, den Bleibemotiven und den Bleibefaktoren von Jugendlichen auseinandersetzen, widmet sich diese ethnographische Studie den Jugendlichen, die innerlich längst aus ihrem Dorf "ausgewandert" sind, obwohl sie dort noch im Alltag leben und hin und wieder im Dorfraum Freizeitveranstaltungen wahrnehmen. Mit diesen "Zwischen-Jugendlichen", die mit dem Kopf "in der Region und in der Welt" und dem Körper noch im Dorf stehen und die heute einen immer größeren Teil der Dorfjugendrealität darstellen, wird sich aber kaum auseinandergesetzt. Sie sind als allseits-mobile Jugendliche auch schwer zu fassen, und wären auch ohne Handy-Unterstützung als "Peilsender" für eine Feldstudie kaum mehr faßbar gewesen.

Die interessanteste These dieser Studie ist, daß trotz der bestehenden und auch ritualisierten Distanz dieser Jugendlichen zum Ort und des Ortes zu diesen Jugendlichen, diese doch viel mehr "Kinder ihres Dorfes" sind als diese selbst wahrhaben wollen und der Ort sich dies vorstellen könnte. Gerade diese Distanzierung wird zu einer Art "schräger Beheimatung", die sich z.B. darin zeigt, daß diese Jugendlichen sehr wohl dörfliche Verhaltensmerkmale kennen und auch im Alltag voll berücksichtigen. Auch ihre Ablehnung ist eine Form der "Beteiligung", denn es findet eine produktive Auseinandersetzung statt, die durch die Kraft zur Distanzierung erzeugt wird.

Das Buch sollte unbedingt in die jugendsoziologische Debatte des Aufwachsens von Jugendlichen im ländlichen Raum Eingang finden und steht deshalb dafür offensiv werbend in unserer BestenListe.

 

Platz 5

Ulrich Kluge: Agrarwirtschaft und ländliche Gesellschaft im 20. Jahrhundert. Enzyklopädie Deutscher Geschichte, Band 73. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2005. (ISBN 3-486-56605-9)

Wenn in einer großangelegten "Enzyklopädie Deutscher Geschichte" auch das Thema der "Agrarwirtschaft und ländlichen Gesellschaft im 20. Jahrhundert" Eingang findet, so ist dies ein großer Qualitätsbeweis, denn das niveauvolle Konzept dieser Publikationsreihe mit seiner Dreigliederung in einen "Enzyklopädischen Überblick" zum Thema, einer Darstellung der "Grundprobleme und Tendenzen der Forschung" und einem ausführlichen und fundierten "Quellen- und Literaturteil" setzt hohe editorische Standards. Und dieses Buch erfüllt mit Bravour diesen Standard, denn es gelingt ihm ein Jahrhundert Agrar- und Landgeschichte zwischen zwei Buchdeckel zu platzieren, ohne an sprachlicher und begrifflicher Klarheit, logischer und übersichtlicher Gliederung und darstellender Geschlossenheit zu sparen. Das sachliche Übergewicht des agrarwirtschaftlichen Bereich gegenüber der ländlichen Entwicklungsgeschichte, die darunter etwas zu kurz kommt und sehr agrar-gesellschaftlich rezipiert wird, liegt in der Logik des gestellten Themas, eröffnet aber allen primär land-geschichtlich interessierten Lesern die Chance, ihr Wissen agrar-geschichtlich zu vervollständigen. Außerdem ist ja die Hälfte der Entwicklungsgeschichte im ländlichen Raum von 1900 - 2000, also der Zeitraum von 1900 - 1950 - was allzu leicht vergessen wird - in großen Teilen des ländlichen Raumes ja noch primär eine "Agrargeschichte" gewesen. Wir können dieses Nachschlagewerk für jede häusliche Landbibliothek nur eindrücklich empfehlen und plädieren für dessen Erwerb durch die Werbung in unserer BestenListe.

 

Platz 6

Mechthild Hempe: Ländliche Gesellschaft in der Krise. Mecklenburg in der Weimarer Republik. Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2002. (ISBN 3-412-96502-1)

Die hier vorliegende Regionalstudie befaßt sich mit dem inneren Wandel der ländlichen Gesellschaft in Mecklenburg im Zeitraum von 1918/19 bis 1932/33. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Analyse der ländlichen Eliten, der großagrarischen Verbände oder bäuerlichen Interessensvereinigungen, sondern die gesamte auf dem Land lebende und in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung, also das dörfliche Alltagsleben der Landarbeiter, wenigen Bauern und Großgrundbesitzer und ihre soziale Beziehungen untereinander. Die alte tradierte Ordnung des Gutsdorfes gerät mit dem Ende des Kaiserreiches und des Ersten Weltkrieges in eine tiefe gesellschaftliche Krise, da die neue demokratische Ordnung die unterschwelligen Konflikte freisetzt und die einzelnen dörflichen Interessensgruppen politisiert. Die Wirtschaftskrise des Agrarsektors, das Eindringen neue Landtechniken und der Niedergang der alten patriarchalischen Ordnung, bilden zusammen mit ländlichen Protestbewegungen, völkischen Agrarideologien und verschärften verbandspolitischen Konflikten ein explosives Gemisch gesellschaftlicher Verunsicherung, die ihren gemeinsamen Nenner allein in einer tiefreichenden Skepsis und Ablehnung gegenüber der "neuen Ordnung" hatten. Die alte Dorfordnung hatte drei tiefe Konfliktzonen bekommen: Die soziale Differenzierung und teilweise Segmentierung der einzelnen Bevölkerungsgruppen, das massive Aneinanderreiben von modernen und traditionellen Elementen einer Agrargesellschaft im Übergang und eine Verdrängung der neuen Lebenswirklichkeit auf dem Lande hinter alten völkischen Ideologien und heimattümelnden Landbildern. Der eingetretene Mentalitätswandel und der damit verbundene Orientierungsverlust in sozialer und kultureller Hinsicht führte zu massiven Irritationseffekten und zu einer Abwendung von bisherigen Bindungen und politischen Parteien und damit zur Suche nach solchen politischen Kräften, die der Landwirtschaft und dem Bauerntum eine Aufwertung und Sinnstiftung in Aussicht stellten. Als eine solche Macht bot sich die NSDAP an, die Schritt für Schritt die einzelnen ländlichen Milieus von unten her aufrollte: Die Landarbeiterschaft mit national-revolutionären "linken" Parolen und Forderungen nach einer Beendigung der Benachteiligung, das "Bäuerliche Milieu" mit der Bedienung der Sehnsucht nach der Rückkehr der "alten Dorfgemeinschaft" in der "neuen Volksgemeinschaft" und die Gutsherren, die ihren alten Respekt und ihre Obrigkeitsfunktion nun unter der Wahrnehmung einer "Führungsrolle und -aufgabe", als "Führer eines Betriebes", wieder zurückbekamen. Mit dieser mehrzüngigen Sprache und der Strategie, nicht jeweils nur wirtschaftliche, soziale oder konfessionelle Einzelinteressen zu vertreten, wie dies die anderen Parteien taten, sondern an das "Volksganze" zu appellieren, gelang es der NSDAP das Land machtpolitisch zu erobern und in den kleinen Städten und Gemeinden 1932 einen Stimmanteil von 50 % zu erzielen.

Diese Studie zeigt, daß nicht allein Verschuldung, Finanznot und Modernitätsangst politische Entscheidungen beinflußen, sondern diese auch sehr eng mit den sozialen und orts-kollektiven Mentalitäten der Dorfbewohner zusammenhängen. Die "Ländliche Gesellschaft" ist doch mehr als nur der Agrarsektor und das dörfliche Leben zieht sich in gesellschaftlichen Krisen gern auf seine "Mentalitätskerne" zurück. Dieser neue Ansatz, "Landgeschichte als ländliche Gesellschaftsgeschichte" darzustellen, hebt diese Studie besonders heraus und begründet ihre Aufnahme in unsere BestenListe.

 

Platz 7

Ministerium für Umwelt, Saarland / Projekt: MELANIE (Hrsg.): Demographischer Wandel - Herausforderung für den ländlichen Raum. Ideen und Beispiele. Saarbrücken 2004.

(Bezug: Agentur Ländlicher Raum im Ministerium für Umwelt des Saarlandes, Keplerstraße 18, D-66117 Saarbrücken).

Es hat lange gedauert, bis das Thema der "Demographischen Entwicklung" auch zu einem Zentralthema der Dorf- und Regionalentwicklung wurde. Erst in den letzten Jahren wird es zögerlich diskutiert, allerdings meist in Zusammenhang mit der breiten Mehrfachproblemlage der De-Industrialisierung, Siedlungs-Schrumpfung und räumlichen Entleerung in den Neuen Bundesländern. Dabei ist das Problem längst auch im Westen angekommen - genauer gesagt: ganz im Westen. Das "Vorreiter"-Land in Sachen Schrumpfung-West ist das westlichste Bundesland, das Saarland. Daher verwundert es nicht, wenn aus eigener Betroffenheit heraus, dieses kleinste Bundesland für sich die Diskussion um die drohende Schrumpfung auch in den ländlichen Räumen bereits Ende der 1990er Jahre begonnen hat und dazu als erstes westliches Bundesland bereits fundierte Materialien veröffentlicht hat. Die hier vorgestellte Broschüre ist ein solcher Materialband, der das Zukunfts-Phänomen der Bevölkerungsschrumpfung für die Dörfer beschreibt und gleichzeitig aktive und heute machbare Gegenstrategien vorstellt und beschreibt. Bei allen methodischen Mängeln, die auch in dieser Beschreibung stecken, gebührt dieser Veröffentlichung aber der eindeutige Verdienst, ein wichtiger Vorreiter zur Eröffnung dieser Zukunftsdebatte (gewesen) zu sein und deshalb gehört diese Publikation auch in unsere BestenListe. Wer an diesem Thema arbeitet oder interessiert ist, sollte sich dieses Pionierarbeit unbedingt besorgen.

 

Platz 8

Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Dorferneuerung und Gemeindeentwicklung (Hrsg.): Land schafft Raum. Grüne Dörfer. Freie Plätze. Neue Wege. Verlag Anton Pustet, Salzburg - München 2000. (ISBN 3-7025-0415-X)

Die Erfahrungen von drei Jahrzehnten Dorferneuerung und Gemeindeentwicklung in Österreich waren Anlaß mit diesem Buch einmal grundsätzlich und beispielhaft "Bilanz" zu ziehen. Herausgekommen ist ein buntes "Hand- und Bilderbuch" zum gesellschaftlichen Wandel der Räume, zur aktiven Selbsthilfe in der Dorferneuerung, zur gelungenen Freiraumplanung im Konzept und in der Praxis. Die explosionsartige Ausweitung der Siedlungsräume, Verkehrsflächen und bebauten Gebiete, die Intensivierung landwirtschaftlicher Nutzflächen bei gleichzeitiger Extensivierung oder Aufgabe landwirtschaftlicher Ungunstlagen und der rapide ansteigende Bedarf an Freizeiträumen und Freizeitbebauungen, hat die Raumplanung vor große, neue Aufgaben gestellt. Diese Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gewünschte (Gegen)Entwicklungen ohne allzugroße Landschaftszerstörungen zu fördern und zu steuern, war die große Herausforderung der letzten Jahrzehnte. Nicht überall ist es gelungen, die oben beschriebenen Megatrends positiv "einzubetten", aber es gibt auch die gelungene Praxis positiv "geschaffter" Landschaft, die in einer umfangreichen Projektdokumentation aus allen österreichischen Bundesländern in diesem Band versammelt sind: Bilder einer Kultur-, Kunst- und Naturlandschaft, die überzeugen und Bausteine für unsere Vision einer Kulturlandschaft im 21. Jahrhundert sein könnten. Ein in jeder Hinsicht überzeugendes Buch, das in unserer BestenListe daher nicht fehlen darf.

 

Platz 9

Ingo Lachmann: Endstadion Eigenheim. Zur deutschen Einfamilienhausförderung im Spannungsfeld von Raumordnungszielen und Wohnungsbaupolitik. Arbeitsberichte des Fachbereichs Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung der Universität Kassel, Heft 155, Kassel 2004. (ISBN 3-89117-139-0)

(Direktbezug: Universität Kassel, Infosystem Planung, FB 06 – Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung, Henschelstraße 2, D-34127 Kassel).

Beim Begriff "Eigenheim" spalten sich nicht nur die Planer-Schulen in die klaren Befürworter dieser Wohnform (und damit in die Unterstützer dieser meistgewünschten, bürgerlich-familiären Wohnform) und die unerbittlichen Gegner dieser landschaftsfressenden, infrastruktur-überdehnenden und kleinbürgerlich-individualistischen Lebensform. Die hier vorliegende Diplomarbeit zeichnet die Entwicklungsgeschichte der Kleinsiedlung und des Eigenheims von 1945 bis heute in den Leitzielen der Wohnungsbaupolitik und in der Wohnungsbauförderung in der BRD und der DDR nach, bewertet die Qualität des Eigenheims im Vergleich zur Eigentumswohnung und analysiert die raumpolitischen Folgen der Eigenheim-Suburbanisierung für die Bodenpolitik, die ökologische Zersiedelung und die infrastrukturellen Folgekosten. Daraus folgt als Konsequenz: Die zukünftige Wohnungsbaupolitik muß sich aus dieser falschen Entwicklungslinie verabschieden, d.h. eine  massive Zurückfahrung aller eigenheim-unterstützenden Förderungen auf eine selektive rein familiäre Eigenheimförderung, eine deutlicher Steuerung der Wohnungspolitik durch nachhaltige Raumordnungsmaßnahmen und eine Neubewertung des expansiven Eigenheimbaus auf dem Hintergrund der demographischen Schrumpfung ist dringend geboten. Auch wenn dieses Arbeit primär auf einer Analyse der Eigenheimentwicklung im suburbanen Raum fußt, enthält sie doch auch viele Fakten und Trendbeschreibungen, die auf den Eigenheimbau im ländlichen Raum zutreffen oder übertragbar sind. Daher und weil über dieses Thema leider noch viel zu wenig gearbeitet und publiziert wird, steht dieses Buch in unserer BestenListe.

 

Platz 10

Detlev Wahl: Lexikon der Agrarsoziologie. Mit Begriffen aus der Agrargeschichte, Ethnologie und Soziologie der Entwicklungsländer. Meridian-Verlag, Rostock 2001. (ISBN 3-934121-03-9)

(Direktbezug: Meridian-Verlag, Postfach, D-18084 Rostock).

Mit wirklich brauchbaren Handbüchern und Nachschlagwerken ist der Bereich "Ländlicher Raum" nicht gerade reichlich gesegnet. Dabei können solche Veröffentlichungen nicht nur bei der Begriffsdefinition sehr hilfreich sein, sondern wie ein Vokabelbuch auch alle Studienanfänger oder Interessenseinsteiger sehr gut in die Fachsprache und -begriffe einführen. Daher ist dieses Buch eine Ausnahme und leider bisher zu wenig bekannt. In 1184 Artikeln und Stichworten werden Begriffe der Agrarsoziologie, Ethnologie, Soziologie der Entwicklungsländer, Agrargeschichte und teilweise auch der ländlichen Raum- und Siedlungsplanung vorgestellt und erläutert. Und das mit großer Schrift, gut gegliedert und übersichtlich aufgereiht, was bei solchen Lexika normalerweise nicht der Fall ist. Neben den Stichwortartikeln von A-Z enthält das Lexikon auch noch einen zehnseitigen Anhang mit Quellen und weiterführender Literatur, die "Klassiker" und weitere Nachschlagewerke zum Themenfeld des Lexikons vorstellt. Auf allgemeinsoziologische Begriffserläuterungen wurde auf Grund der Tatsache, daß es dazu bereits viele Nachschlagewerke gibt, bewußt verzichtet. Stattdessen wurde großer Wert darauf gelegt, den agrarsoziologischen Blick global zu erweitern und viele Begriffe aus der Soziologie der Entwicklungsländer aufzunehmen. Dieser Blickwinkel hilft zum einen, die oft vorherrschenden eurozentristische Betrachtungsweise auf die ländlichen Räume zu durchbrechen, andererseits trägt es dazu bei, daß das Lexikon nicht zu einem "agrarhistorischen Stichwortverzeichnis" zusammenschrumpft, das nur "alte" Begriffe aus der überholten Epoche der Agrargesellschaft speichert, ohne in der Gegenwart präsent zu sein. Das Buch ist ein wichtiges Dokument globaler und nationaler Agrarsoziologie und steht in dieser Funktion in unserer BestenListe.

 

 

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