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-  Kurze Lese-Texte aus den PRO REGIO HEFTEN -

 

 

PRO-REGIO-LESEPROBE 1:

Eva Läufer und Gabriele Müller

Die individualisierten Typen der Region

- Von Lokalisten, Regionalisten und Insulanern

Im Rahmen der Feldforschungsphase des Projektes "Regionale Identität in Hessen" sind "wir", das sind Studierende des Institutes für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt, bei der Erstellung von "Personalprofilen" darauf gestoßen, daß sich aus den Personen- und Situationsbeschreibungen von Menschen in einer Region ganz spezifische Modelle von "Lebensweltskizzen" entwickeln lassen. (...)

Aus dem während der Feldphase gewonnenen Wissensschatz entwickelte sich immer mit Blick auf die Raumbezogenheit eine deutliche Typologisierung mehrerer markante Typen heraus. Sie wurden von uns mit folgenden Bezeichnungen charakterisiert und erfaßt: Der Lokalpatriot, der Insulaner, der Ortloser, der Weltbürger, der Mehrörtler, der Regionnutzer, der Regionalist. Als Schlagworte sollen sie ein von uns so wahrgenommenen Schwerpunkt der räumlichen Orientierung, also den Handlungsfokus skizzieren.

Dann wurde eine erste Zuordnung der Personalprofile in diese Typologisierung vorgenommen. Kein Respondent entspricht hundertprozentig einem Typus, es gibt immer Abweichungen, und jeder Respondent entspricht nie nur einer einzigen Zuordnung. Typologisierung bedeutet also stets Abwägung und Zuordnung gemäß einer dann überwiegenden Einschätzung, die aus allen Informationen einschließlich unserer subjektiven Eindrücke und eines individuellen Beeindrucktseins zusammenflossen.

Dabei heraus kam ein Personalprofil von sieben raumspezifisch-unterscheidbare Einwohner-Typen:

Der Lokalpatriot: Der Lokalpatriot oder auch Lokalist begreift seinen Wohnort und die direkte Umgebung als eigenen Aktions- und Lebensmittelpunkt, wie auch als Zentrum 'seiner' Welt. Er hat eine leidenschaftliche oder schicksalsergebene Beziehung zu diesem Raum, wie auch ein ausgeprägtes Rollenbewußtsein im sozialen und ortsspezifischen Netz. Häufig arbeitet er auch am Wohnort. Aktiv ist er im Mainstream (traditionelle und/oder dörfliche Strukturen), in Opposition dazu oder Nischen. Er erklärt sich selbst und wird als zugehörig erklärt. Beispiel: "Ich bin zuallererst Freiensteinauer".

Der Insulaner: Er lebt zwar an diesem Ort, jedoch zurückgezogen in seinen eigenen vier Wänden wie auf einer Insel. Die eigene Insel kann allerdings nur an diesem Ort geschaffen werden. Im Leben des Insulaners hat das private Glück Priorität, seine Beziehung zum umgebenden Raum ist eher mental und passiv. Trotz dieser Abgeschiedenheit definiert sich der Insulaner als Zugehöriger. Beispiel: "My home is my castle; ich tue keinem etwas und mir tut keiner was".

Der Ortlose: Er lebt an imaginären Orten, wie bspw. in der Vergangenheit, an einem romantischen Ort, am Geburtsort. Die reale gegenwärtige Verortung hat für den Ortlosen keine oder eine untergeordnete Bedeutung. Beispiel: "Meine Heimat war und ist immer Ostpreußen".

Der Weltbürger: Er hat eine internationale und feste, oft auch elaborierte Sicht der Welt. Der Weltbürger kann sich vorstellen, überall zu leben, sein direktes Umfeld scheint ihm häufig kleinkariert und borniert. Kennzeichnend für ihn ist, daß er sich als urbaner Mensch versteht. Beispiel: "Meine Heimat ist die Welt; ich bin Europäer."

Der Mehrörtler: Er lebt und arbeitet an mehr als einem Ort. Die räumliche Distanz zwischen diesen Orten oder der eigene Aufwand zur Überwindung der Distanz sind für Mehrörtler weder von trennender, noch von verbindender Bedeutung. Sein Leben ist sozusagen polarisiert. Beispiel: "Ich bin hier wie da zu Hause".

Der Regionalist: Arbeiten, Wohnen, Alltag und Freizeit an verschiedenen Orten ergeben für den Regionalisten eine regionale Dimension, die eine ganz subjektive und allgemeine Bedeutung hat (regionale Zusammengehörigkeit, Problemsicht, etc.). Diese regionale Perspektive ist qualitativ und durch Werte besetzt und führt dazu, daß auch lokale Qualitäten eine überörtliche Bedeutung erlangen. Im Unterschied zu einem lokalen Zusammengehörigkeitsgefühl, das teilweise noch stärker von direkten Kontakten und einer Überschau- und Überprüfbarkeit der Strukturen geprägt ist, werden nicht gemachte Erfahrungen bei einer regionalen Identität eher durch Konstrukte ersetzt (Geschichte, Menschenschlag, Natur dienen hier bspw. als symbolische Füllmasse). Beispiel: "Wir dürfen uns nicht so abhängig machen von den Zentren".

Der Regionnutzer: Als aktiver Konsument eines bereitgestellten Angebots ist der Regionnutzer äußerst mobil, vielseitig interessiert und umfassend informiert. Die Region bleibt für ihn allerdings eigene 'Nutzungslandschaft'. Auch der Regionnutzer lebt und arbeitet an mehr als an einem Ort, jedoch im Gegensatz zum Mehrörtler ergeben sich daraus für ihn keine Pole, sondern eher ein Netz (die Verbindungen sind auch von Bedeutung). Beispiel: "Ich bin ein Mensch des erweiterten Rhein-Main-Gebietes".

(Auszug aus: PRO REGIO, Heft 18/19-1996, S. 19f.)

*) Wichtiger Hinweis:

Wenn dieser kurze Textauszug ihre Interesse an der gedruckten Vollversion des Artikels geweckt hat, so können Sie diese unter dem Titel: Eva Läufer und Gabriele Müller: Die individualisierten Typen der Region - Von Lokalisten, Regionalisten und Insulanern, in: PRO REGIO - Heft 18/19-1996, S. 19-29, erwerben.

Das Heft 18/19-1996 ist im "PRO REGIO-Paket 2" enthalten und ist in dieser Form noch lieferbar. (Siehe Link: Pakete )

Sie können sich auch eine pdf-Version der LeseProbe 1 laden.

 

PRO-REGIO-LESEPROBE 2:

Adelheid Stipproweit

Nachhaltigkeit konkret

- Eine Typologie lokaler Nachhaltigkeitswahrnehmungen

Das Anliegen des Leitbildes Nachhaltigkeit, nämlich Zukunft ökologisch, ökonomisch und sozial verträglich zu gestalten ist wesentlich verbreiteter als die Kenntnis des Begriffes.

Im Alltag orientiert sich das Thema Zukunftsgestaltung eher an konkreten Handlungs-Herausforderungen als an der Metapher "Nachhaltigkeit".

Eine Studie in einer südpfläzischen Gemeinde (1180 Einwohner, 30 Interviews) zeigt einen starken Zusammenhang zwischen den Ansichten über die lokale Umwelt- und Verkehrssituation und den jeweiligen "Umweltphilosophien" - im Sinne von generalisierenden Problemsichten der ökologischen Verfasstheit der Welt oder der Region.

Als Ergebnis einer Rekonstruktion dieser Umweltphilosophien ergab sich folgende Typologie:

l Die 'Alles-in-Ordnung'-Generalperspektive

Die Existenz von bedrohlichen Problemen der Natur- und Umweltsituation wird negiert - oder stark relativiert, indem die anthropogenetische Dimension der ökologischen Thematik bestritten und als dramatische Inszenierung bewertet wird.

l Die 'Alles-in-Ordnung'-Lokalperspektive

In dieser Sichtweise gerät die überregional-globale Ebene der Öko-Problematik überhaupt nicht ins Blickfeld. Als einziger Bezugspunkt der Wahrnehmung von Umwelt und Natur erscheint die eigene Wohnheimat (Pfalz), die als ökologisch intakte 'Welt' beschrieben wird.

l Die 'kritische' Lokalperspektive

Auch diese Sichtweise blendet die überregionale Ebene aus und verweist auf die grundsätzlich intakte lokale Umwelt und Natur. Diese jedoch wird durch einzelne Belastungen als bedrohlich gesehen. Trotzdem besteht Zuversicht, dass die Umweltsituation verbessert werden kann.

l Der 'Machbarkeits-Optimismus'

Die Entwicklung der Umweltsituation wird als problematisch, jedoch nicht als katastrophal gesehen. Die Wahrnehmung eines ökologischen Handlungsbedarfs ist mit der Zuversicht über die lokale Lösbarkeit der Probleme gekoppelt, wofür sich erste Erfolge bereits abzeichnen.

l Der 'Umwelt-Pessimismus'

Dieser Typ geht davon aus, dass sich die Umweltprobleme verschärft haben und sich auch in Zukunft verschlimmern werden. Er sieht nur wenig Möglichkeit, der Umweltzerstörung Einhalt zu gebieten.

l 'Moloch Industriesystem'

Der Industriesystem-Kritizismus glaubt, dass die Ökonomisierung und Technisierung der Gesellschaft langfristig die Verfassung von Natur und Umwelt derart verschlechtert, daß die natürlichen Lebensbedingungen des Menschen untergraben werden.

Die alltagsweltlichen Problemkonstruktionen und Lösungskonzepte unterscheiden sich erheblich in der Einschätzung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen der dörflichen Umwelt- und Verkehrs-Situation.

Um ökologische Kommunikationsprozesse zu stabilisieren, wird von Bedeutung sein, die realen Interessenskonflikte anzuerkennen und eine Reflexion von Deutungen, Einstellungen und Handlungen zuzulassen oder zu ermutigen.

Die Offenheit für Umdeutungen, also für neue Sichtweisen sollte gefördert, Nachhaltigkeits-Lernen als "Suchbewegung" initiiert werden.

(Auszug aus: PRO REGIO, Heft 24/25-2000, S. 40)

*) Wichtiger Hinweis:

Wenn dieser kurze Textauszug ihre Interesse an der gedruckten Vollversion des Artikels geweckt hat, so können Sie diese unter dem Titel: Adelheid Sipproweit u.a.: Bürgerbeteiligung und Lokale Agenda 21 - Eine Fallstudie zur Lösung lokaler Umweltprobleme, in: PRO REGIO - Heft 26/27-2002, S. 38-46, erwerben.

Das Heft 26/27-2002 ist im "PRO REGIO-Paket 2" enthalten und ist in dieser Form noch lieferbar. (Siehe Link: Pakete )

Sie können sich auch eine pdf-Version der LeseProbe 2 laden.

 

PRO-REGIO-LESEPROBE 3:

Sonja Hock und Ulrich Ermann

Alles wird nachhaltig

- Die Regionalscene und ihr neues Paradigma

Mit Hilfe des von uns entwickelten Kriterienkatalog zur Definition einer "Regionalinitiative" konnten wir unter den betrachteten Initiativen in der Region Nürnberg zehn Typen ausmachen, die im folgenden vorgestellt werden sollen.

1. Die Regionalmarketing-Strategen. Diese Regionalinitiativen beschäftigen überwiegend Fachleute aus dem Bereich Marketing und Public Relations. Oberstes Ziel ist es, das Image der jeweiligen Region zu verbessern, um diese als Investitions-, Tourismus- und Wohnstandort möglichst attraktiv erscheinen zu lassen. Diese Imagekampagnen können sowohl nach innen als auch nach außen gerichtet sein. Leistungsdenken spielt eine wichtige Rolle, da alle Anstrengungen auf die Konkurrenzfähigkeit der Region und auch der Initiative gerichtet sind. (...)

2. Die regionalen Wirtschaftsförderer. Die Initiativen, die in erster Linie die regionale Wirtschaftsförderung zum Ziel haben, entsprechen zum Großteil zugleich Regionalmarketing-Strategen, da Regionalmarketing üblicherweise das Mittel zum Zweck der Wirtschaftsförderung ist. Häufig sind die Aktivitäten von Wirtschaftsförderungs-Initiativen aber noch direkter auf potenzielle Investoren gerichtet, während regionales Marketing oftmals die langfristige Schaffung eines positiven Images anstrebt, ohne unmittelbar den Kontakt zur Wirtschaft zu suchen. Insofern sind die Regionalinitiativen, die sich der regionalen Wirtschaftsförderung verschrieben haben, am stärksten wirtschafts- und technologieorientiert. (...)

3. Die Regionalentwicklungs-Profis. Diese Initiativen werden personell von Leuten getragen, die beruflich bereits seit längerer Zeit in der "ländlichen Regionalentwicklung" tätig sind. Im Gegensatz zu den Marketing-Strategen haben diese Akteure ihren Ausbildungs- und Erfahrungshintergrund im Bereich der Landwirtschaft, Landschaftsplanung und der ländlichen Kulturarbeit. Es besteht ein großer Erfahrungsschatz mit kooperativen Planungs- und Organisationstechniken (Arbeitskreise, Bürgerbeteiligung etc.). Schwerpunktmäßige Aufgabenbereiche liegen in der Vermarktung regionaler Produkte (insbesondere Agrargüter), der Inwertsetzung regionaler Potenziale (z.B. für touristische Nutzung) und der aktivierenden Bildungsarbeit im Hinblick auf eine umwelt- und sozialverträgliche Entwicklung der Kulturlandschaft. Marketing- und PR-Aufgaben werden von derartigen "Regionalmanagern" mit abgedeckt, sie sind aber nicht selbst der Kern der Tätigkeit. (...)

4. Die Fördermittel-Spezialisten. Die "Fördermittel-Spezialisten" haben professionelle Erfahrung bei der Akquirierung von Fördermitteln für Projekte der Regionalentwicklung. Neben den Programmen der EU (5b, LEADER, LEADER+, INTERREG etc.) spielen hierbei diverse Förderprogramme auf Bundes- und Länderebene, von Ministerien, Bundesämtern und Stiftungen eine wichtige Rolle. (...) Fördermittel-Spezialisten gibt es sowohl unter den auf Imageverbesserung und Wirtschaftsförderung ausgerichteten Initiativen als auch unter den Gruppen, die sich für Landwirtschaft, Landschaftspflege, Umweltschutz oder kulturelles Leben einsetzen. (...)

5. Die Naturschützer aus der links-alternativen Ecke. Gruppen, deren Mitglieder aus dem links-alternativen Milieu stammen und die sich schwerpunktmäßig für Belange des Umwelt- und Naturschutzes einsetzen, können charakterisiert werden durch ihre grundlegende Kritik an Wirtschaftssystem und Konsumgesellschaft. Sie fordern eine radikale Umorientierung der Politik und eine Abkehr vom im System angelegten Zwang zum permanenten Wirtschaftswachstum. (...) Die Akteure der entsprechenden Initiativen versuchen, ein konsequentes umweltbewusstes Verhalten vorzuleben, welches sie von der gesamten Gesellschaft fordern. Die Aktivitäten dieser Regionalinitiativen werden überwiegend von ehrenamtlich tätigen Personen getragen; Solidarität und selbstloser Einsatz für die "gute Sache" stehen für die Arbeit dieser Gruppen, Konkurrenzverhalten und unternehmerisches Denken werden hingegen bewusst abgelehnt. (...)

6. Die Naturschützer aus der konservativen Ecke. Regionalinitiativen, die ideologisch eher der "konservativen Ecke" des Umwelt- und Naturschutzes zuzurechnen sind, stimmen in vielen Belangen erstaunlich weit mit den links-alternativen Gruppierungen überein. Auch sie wehren sich gegen (neo-)liberale Wirtschaftspolitik und Deregulierungen und sehen die Erhaltung der Umwelt vor allem in kleinen, überschaubaren Einheiten gewährleistet. Oftmals finden sich in regionalen (ehrenamtlichen) Gruppen von Bund Naturschutz (BN), Naturschutzbund Deutschland (Nabu) oder dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) Akteure aus links-alternativen und konservativen Kreisen zusammen. Unter dem Dach des gemeinsamen Interesses "Bewahrung von Natur und Landschaft" kommt es so nicht selten gewissermaßen zu schwarz-grünen Koalitionen. (...)

7. Die Heimatverbundenen. Regionalinitiativen, deren "Heimatverbundenheit" eine zentrale Motivation für ihr Engagement darstellt, setzen sich stark für die Erhaltung bzw. Stärkung der kulturellen Identität einer Region ein. Dabei geht es zum einen um die Förderung eines kulturellen Lebens in einem bestimmten Gebiet und zum andern um die Erhaltung und Herausstellung von regionsspezifischen Eigenschaften. Die ländliche Kultur in ihrer Abgrenzung zum städtischen Leben und in ihrer regionstypischen Eigenständigkeit soll gestärkt werden. Viele dieser überwiegend ehrenamtlich arbeitenden Regionalinitiativen stehen in der Tradition der Eigenständigen oder Endogenen Regionalentwicklung, die Bandbreite ist aber auch hier wieder sehr groß und reicht von fundamental kulturkritischen Bewegungen über die klassischen Bürgerinitiativen, die Agraropposition, die katholische bzw. evangelische Landjugend bis hin zum traditionellen Vereinsleben. (...)

8. Die Bürgerinitiativen. Viele Regionalinitiativen sind ursprünglich aus Bürgerinitiativen hervorgegangen, die sich als Protestbewegung gegen ein bestimmtes Vorhaben der Politik gebildet haben. Häufig richtete sich der Widerstand gegen ein Bauvorhaben der Kommunen, des Staates oder privater Investoren (z.B. Autobahnbau, Umgehungsstraße, Gewerbegebiet usw.). Die Problematik kann dabei beispielsweise in erwarteten Lärm- oder Immissionsbelastungen, in der Beeinträchtigung der Umwelt oder in der Entwertung der Innenstädte (durch Einkaufsparks auf der "grünen Wiese") liegen. Zu denken ist aber auch an Friedensinitiativen und die Anti-Kernkraft-Bewegung in den 80er Jahren oder an Gruppen, die sich aufgrund der allgemeinen ökologischen Krise oder der Dritte-Welt-Problematik zu entsprechendem Engagement veranlasst sahen. Nicht wenige dieser Bürgerinitiativen (...) stehen auf dem Standpunkt: "Wir haben schon lange nachhaltige Entwicklung praktiziert, bevor das Wort in den Sprachgebrauch kam".

9. Die Verwaltungs-Initiativen. Nicht wenige Regionalinitiativen sind direkt aus der Verwaltung - das heißt, von Kommunen oder Landkreisen - gegründet worden und sind auch institutionell, finanziell und personell mehr oder weniger bei dieser angesiedelt. Zu denken ist hierbei insbesondere an Landkreise, die von sich aus eine(n) Agenda-21-Beauftragte(n) oder eine Agenda-21-Gruppe ins Leben rufen. Bei diesen wird das Engagement von vielen verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren gebündelt. Die 80 Agenda-21-Gruppen in der Region Nürnberg wurden fast alle von Bürgermeistern, Gemeinde- und Stadträten etc. ins Leben gerufen. Das Nachhaltigkeits-Leitbild ist Voraussetzung für die Arbeit des Agenda-Beauftragten und der ehrenamtlichen Bürger. Fast alle Projekte beschäftigen sich mit Themen aus dem Bereich "Umwelt", die Bereiche "Soziales" und "Wirtschaft" sind bisher weniger vertreten. Inwiefern in dieser Konstellation problemorientierte und erfolgreiche Arbeit geleistet wird, hängt in hohem Maße von der Persönlichkeit der Initiatoren aus der Politik und natürlich auch von der Persönlichkeit der Beauftragten ab. (...) Oft wird aber die Stelle des Nachhaltigkeits-Beauftragten nur deshalb geschaffen, "weil man das halt heutzutage braucht" bzw. weil andere Kreise auch einen solchen haben. (...)

10. Die Vermarkter von Regionalprodukten. Ein großer Teil der Regionalinitiativen in der Region Nürnberg beschäftigt sich mit der Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe im Sinne der Vermarktung regional erzeugter Produkte (insbesondere Agrargüter). Bei einigen Initiativen ist dies der Hauptinhalt oder sogar der einzige Inhalt ihrer Arbeit. Die entsprechenden Initiativen unterschieden sich vor allem danach, ob sie sich lediglich als Vermittler verstehen oder selbst als wirtschaftliche Akteure auftreten. Viele Gruppen versuchen, durch Öffentlichkeitsarbeit die Verbraucher zu einem "regionsbewussteren" Konsumverhalten zu "erziehen", andere gründen Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften. Wieder andere fördern die Kooperation zwischen Produzenten in der Region und initiieren regionale Produktmarken. In diesen Fällen wird nur "aktivierend" und ohne eigenen Erwerbszweck gearbeitet. Es existieren aber auch Initiativen, die sich aus einem gewissen Problembewusstsein heraus (z.B. fehlende Absatzmöglichkeiten der Landwirte) gegründet haben, die aber selbst unternehmerisch tätig sind und als Handelsfirma auftreten. Dabei handelt es sich z.B. um professionell geführte Anbietergemeinschaften. Die Grenzen zwischen Initiativen und Unternehmen sind hier fließend. (...)

(Auszug aus: PRO REGIO, Heft 24/25-2000, S. 16ff..)

*) Wichtiger Hinweis:

Wenn dieser kurze Textauszug ihre Interesse an der gedruckten Vollversion des Artikels geweckt hat, so können Sie diese unter dem Titel: Soja Hock/Ulrich Ermann: Alles wird nachhaltig - Die Regionalscene und ihr neues Paradigma, in: PRO REGIO - Heft 24/25-2000, S. 13-23, erwerben.

Das Heft 24/25-2000 ist im "PRO REGIO-Paket 2" enthalten und ist in dieser Form noch lieferbar. (Siehe Link: Pakete )

Sie können sich auch eine pdf-Version der LeseProbe 3 laden.

 

 

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